Von klassischen Greenscreen-Studios bis zu XR-Produktionen mit LED-Wänden
Virtuelle Produktionsumgebungen sind aus modernen Broadcast-, Streaming- und Filmproduktionen kaum noch wegzudenken. Leistungsfähige Echtzeit-Render-Engines und moderne Tracking-Systeme ermöglichen es heute, reale Kameraaufnahmen nahtlos mit computergenerierten Inhalten zu kombinieren.
Unter virtuellen Produktionsumgebungen versteht man Produktionssysteme, bei denen reale Aufnahmen durch virtuelle Inhalte ergänzt oder erweitert werden. Dazu zählen klassische Greenscreen-Studios, virtuelle Studiosysteme sowie moderne XR-Produktionen mit LED-Wänden.
Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Beleuchtung. Sie beeinflusst nicht nur die Bildqualität, sondern auch die Glaubwürdigkeit der gesamten Produktion. Nur wenn Licht, Farben und Schatten zwischen realen und virtuellen Elementen zusammenpassen, entsteht ein überzeugendes Gesamtergebnis.
Die Anforderungen an Lichtkonzepte haben sich dabei in den vergangenen Jahren deutlich verändert – von statischen Greenscreen-Setups bis hin zu dynamischen Echtzeit-Beleuchtungssystemen, die direkt mit virtuellen Welten interagieren.
Teil 1: Grundlagen der Greenscreen-Ausleuchtung
Grundausleuchtung eines Greenscreens
Die Grundlage jeder Greenscreen-Produktion ist eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung der grünen Hintergrundfläche. Nur wenn der Greenscreen überall eine ähnliche Helligkeit und Farbsättigung aufweist, kann die Keying-Software die grüne Farbe zuverlässig entfernen.
Eine ungleichmäßige Ausleuchtung führt häufig zu:
- Flecken oder Helligkeitsunterschieden im Hintergrund
- Schwierigkeiten beim Keying
- sichtbaren Kanten um Personen oder Objekte
- erhöhtem Green Spill
Unter Green Spill versteht man grüne Lichtreflexionen, die vom Greenscreen auf Personen oder Gegenstände zurückgeworfen werden. Besonders Hauttöne, helle Kleidung oder reflektierende Oberflächen können davon betroffen sein.
Für die Ausleuchtung des Greenscreens werden meist großflächige, diffuse Lichtquellen eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Softlights, LED-Panels mit Diffusor oder Leuchten mit Softboxen. Durch die große Leuchtfläche entstehen weiche Schatten und eine möglichst homogene Ausleuchtung des Hintergrunds.
Ebenso wichtig ist ein ausreichender Abstand zwischen Person und Greenscreen. In der Praxis werden häufig zwei bis drei Meter Abstand eingehalten. Dadurch werden Schatten auf dem Hintergrund reduziert und Green Spill minimiert.

Kontrolle der Ausleuchtung mit False Color und IRE
Professionelle Greenscreen-Ausleuchtung erfolgt nicht ausschließlich nach Augenmaß. Moderne Kameras und Monitoring-Systeme bieten Analysewerkzeuge, mit denen die Belichtung objektiv bewertet werden kann.
IRE-Werte
Eine wichtige Messgröße ist der sogenannte IRE-Wert (Institute of Radio Engineers). Er beschreibt die Helligkeit eines Videosignals auf einer Skala von 0 bis 100, wobei 0 IRE Schwarz entspricht und 100 IRE Weiß. Dadurch lassen sich Belichtungswerte unabhängig von subjektiven Bildschirmeindrücken vergleichen.
False Color
Um die Ausleuchtung zu kontrollieren, wird häufig die False-Color-Darstellung genutzt. Dabei werden unterschiedliche Helligkeitsbereiche durch Farben visualisiert. So lässt sich auf einen Blick erkennen, ob der Greenscreen gleichmäßig beleuchtet ist oder ob einzelne Bereiche zu hell oder zu dunkel erscheinen.
Waveform-Monitor
Zusätzlich kommen häufig Waveform-Monitore zum Einsatz. Sie stellen die Helligkeitsverteilung des Bildes grafisch dar und ermöglichen eine besonders präzise Kontrolle der Belichtung.
False-Color- und Waveform-Analysen stehen heute nicht nur direkt in vielen Kameras zur Verfügung. Auch Softwarelösungen wie DaVinci Resolve oder Nobe OmniScope bieten entsprechende Werkzeuge zur Signal- und Belichtungsanalyse.

Praxiswerte
In vielen Greenscreen-Workflows wird der Hintergrund auf etwa 40 bis 50 IRE belichtet. Häufig wird ein Zielwert von rund 45 IRE verwendet. Helle Hauttöne liegen je nach Hautton und gewünschter Bildwirkung meist im Bereich zwischen 55 und 65 IRE.
Wichtiger als der exakte Zahlenwert ist jedoch die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung.
Farbtemperatur und Weißabgleich
Neben der Helligkeit spielt auch die Lichtfarbe eine entscheidende Rolle. Diese wird über die Farbtemperatur beschrieben und in Kelvin (K) angegeben.
Typische Farbtemperaturen sind:
- ca. 3.200 K für Kunstlicht
- ca. 5.600 K für Tageslicht
- über 6.500 K für kühl wirkende Lichtstimmungen
In modernen Broadcast- und Virtual-Production-Studios wird die Beleuchtung häufig auf etwa 5.600 Kelvin eingerichtet. Diese Farbtemperatur entspricht Tageslicht und bietet eine neutrale Grundlage für virtuelle Produktionen sowie spätere Farbkorrekturen.
Damit Farben natürlich dargestellt werden, muss die Kamera auf die verwendete Farbtemperatur abgestimmt werden. Dies geschieht über den Weißabgleich.
Besonders bei Mehrkamera-Produktionen ist es wichtig, dass alle Kameras identische Weißabgleichwerte verwenden. Andernfalls können sichtbare Farbunterschiede zwischen einzelnen Kamerabildern entstehen.
Zur Kontrolle werden häufig Graukarten oder Weißkarten eingesetzt. In professionellen Produktionen kommen zusätzlich Lichtmessgeräte zum Einsatz.
Fazit
Für einen sauberen Greenscreen-Key sind vor allem Gleichmäßigkeit, kontrollierte Helligkeitswerte und ein konsistenter Weißabgleich entscheidend. Wenn Hintergrund, Kamera und Grundlicht sauber aufeinander abgestimmt sind, entsteht die technische Basis für stabile virtuelle Produktionen.



